Leseprobe: Thriller Romance
Elias Born
Elias wuchs in einer mittelgroßen Stadt auf, wo er schon früh bemerkte, wie sehr ihn die Unterschiede in den Lebensbedingungen der Menschen beschäftigten. Nach einer Ausbildung im technischen Bereich wechselte er in die soziale Arbeit, weil er das Gefühl hatte, dort näher an den Ursachen von Ungleichheit wirken zu können. Ein schwerer Unfall in seinem Bekanntenkreis veränderte seinen Blick und führte dazu, dass er Projekte zur Unterstützung von Menschen in Krisensituationen gründete. Viele erlebten durch seine Tätigkeit praktische Hilfe und zugleich die Erfahrung, dass ihr Schicksal nicht übersehen wurde. Heute setzt er seine Energie mit ungebrochener Ausdauer in neue Netzwerke ein, und es deutet sich an, dass sein Engagement noch weitere Kreise ziehen wird.
Kapitel 1
Montagmorgen überzog München mit diesem seltsamen Gemisch aus Kaffeeduft, Regenluft und den Abgasen der ersten Pendlerwelle. Elias saß im „Isarblick“, das ironischerweise keinen Blick auf die Isar bot, sondern nur auf eine müde graue Fassade. Der Laden war sein wöchentliches Ritual, fast so notwendig wie das Anziehen seiner Jeans am Morgen. Vor ihm stand eine dampfende Tasse, deren Hitze er so fest umschloss, als würde sie ihm Halt geben.
Er hatte beschlossen, der Tag würde gleichförmig verlaufen. Nach Stunden im Büro ein Abend ohne Vorkommnisse – Nudeln, E-Mails, vielleicht eine halbe Serie. Der beige Pullover spannte sich über seine Schultern, während der Dreitagebart sein Gesicht zusätzlich ernst wirken ließ. Die Fingerspitzen trommelten unruhig gegen den Keramikrand. Routine, dachte er, war manchmal wie Nebel, man merkte oft erst spät, dass man darin steckte.
Die Glastür bewegte sich, die vertraute kleine Glocke darüber meldete sich hell. Elias hob instinktiv den Kopf. Da trat sie ein: eine Frau, deren schwarzer Mantel sie bei jeder Bewegung umarmte, deren dunkles Haar noch tropfte. Es war keine laute Erscheinung, eher wie ein Ton, der in einen Raum hineinpasst, ohne dass man sofort weiß, woher er kommt – bis man nicht mehr weghören kann. Ihre Augen, dunkelgrün, fixierten für einen Sekundenbruchteil den Raum, und plötzlich wirkte selbst der altmodische Teppichboden weniger belanglos.
Sie bestellte am Tresen, scherzte beiläufig mit der Barista, und jeder Zug auf ihren Lippen schien ungespielt. Elias starrte zu lange in seine Tasse, halb in der Hoffnung, sie würde nichts bemerken, halb fasziniert vom Gedanken, dass sein Morgen vielleicht brüchiger war, als er zugeben wollte.
„Die einzige funktionierende Steckdose gehört wohl Ihnen?“ Ihre Stimme traf direkt neben ihm ein, klar, mit einem Hauch von Ironie.
Sein Kopf schnellte hoch. Tatsächlich: die Steckdose, von allen begehrt, befand sich wie gewohnt neben seinem Tisch. Er räusperte sich unbeholfen. „Nein, ich… nichts, was mir gehört.“
Ein Lächeln zuckte in ihren Augen, als hätte er gerade den unpassendsten Satz der Stunde abgeliefert. Routiniert legte sie das Kabel vor seine Tasse. „Dann ist die Frage ja geklärt.“
„Wenn Sie Pech haben, fällt Ihr Laptop der Schwerkraft meiner Tasse zum Opfer“, murmelte er, halb im Spaß, halb, um nicht zu schweigen. „Ein falscher Moment, und Ihr Laptop schwimmt im Kaffee.“
„Und Sie wären der Auslöser.“ Ihre Augen funkelten, als sie den Kopf leicht schräg hielt. „Könnten Sie damit leben?“
Er lachte trocken. „Vielleicht. Eventuell wäre es die aufregendste Katastrophe meines Tages.“
Sie erwiderte das Lachen, warm und unaufdringlich, und Elias’ Herz lief schneller. Ein merkwürdiger Moment, als hätte das Café seine Farben um Nuancen verändert. Selbst die Zeitungleser wirkten einen Atemzug länger still. Elias stellte fest, dass er flirtete, ohne es geplant zu haben.
Die Minuten dehnten sich aus, während draußen Tropfen die Markisen hinab perlten. Sie sprachen beiläufig über das teure Gebäck im Regal, über den schwachen WLAN-Empfang, über die Härte eines Montags, der sich immer anfühlte wie ein übergriffiger Beginn. Ihre Worte waren keine großen Geständnisse, nur kleine Echos, die in ihm länger nachhallten, als er wollte.
Dann trat er ein. Der Mann mit dem kantigen Gesicht, Augen wie von Schlaflosigkeit geschärft, die den Raum tasteten. Elias spürte die Veränderung sofort, als jemand, der Stille bemerkt, wenn sie bricht. Der Blick des Fremden blieb an der Frau haften – und da war dieses kaum sichtbare Nicken. Ein winziger Austausch, unscheinbar für die übrigen Gäste, aber voller Gewicht. Die Frau erwiderte den Blick nur einen Hauch zu lange.
Elias fühlte einen unerklärlichen Zug in seiner Brust, als sei er plötzlich im Schatten eines Gesprächs, das er nicht verstand. Etwas Unausgesprochenes hatte Form angenommen, und er war mittendrin, ohne gefragt worden zu sein.
Sie klappte ihren Laptop zu, stellte die Tasse ab, ihr Mund zuckte, als wollte sie etwas sagen, nur anders. Dann drehte sie sich zu ihm. „Würden Sie kurz auf meine Tasche achten?“ Ihre Stimme klang beiläufig, doch das schnelle Tempo im Untergrund, dieses unterschwellige Drängen, konnte er nicht überhören.
Elias nahm die Henkel in die Hand, ohne nachzudenken. Der Stoff fühlte sich gewöhnlich an, dunkelblau, fast unauffällig, doch sein Inneres wusste längst: nichts daran würde gewöhnlich bleiben. Augenblicklich, als sie aufstand, glitt die Mantelkante über seine Schulter, wie ein elektrisches Flimmern, das ihm in den Arm fuhr.
Sie ging hinaus, geschmeidig, als wäre der Regen draußen weniger bedrohlich als das Drinnen. Der Fremde folgte mit knappen Schritten, keinerlei Hast, aber mit einer Selbstverständlichkeit, die verriet, dass das nicht zufällig geschah.
Zurück blieb Elias, mit einer Tasche vor sich, die plötzlich mehr Raum einnahm als alle Möbel im Café. Sein Blick heftete sich daran, als wartete sie darauf, sich selbst zu enthüllen wie ein Rätsel, das mühsam verschlossen blieb.
Hinter ihm summte die Espressomaschine, die Uhr klackerte ungerührt, ein Gast blätterte in den Nachrichten. Doch für Elias hatte der Morgen einen Riss erhalten.
Alles, was eben noch Routine war, stand still. Vor ihm lag eine Tasche, draußen eine verschwundene Frau, und mitten darin er selbst – und er wusste nicht, wohin diese einfache Bitte ihn tragen würde.
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